
Saint-Maur · 1670-1710
Monasticon Gallicanum
dom Michel Germain · in Paris für die Kongregation gestochen, nie veröffentlicht · endlich gedruckt von V. Palmé, 1870-1871
Eine Geschichte der Benediktinerhäuser Frankreichs, die nie in den Druck gelangte. Geblieben sind stattdessen ihre Bilder: Abtei um Abtei von oben gesehen, zwischen 1676 und 1710 gezeichnet und gestochen, in den Jahrzehnten, in denen die Kongregation von Saint-Maur sie wieder aufbaute. Für die seither abgebrochenen Häuser ist die Tafel oft das vollständigste erhaltene Bild des gesamten Klosterbezirks.
Das Wrack eines Buches
Das Monasticon Gallicanum ist nie eines geworden. Der Titel, den dom Michel Germain ihm zugedacht hatte, kündigte gekürzte Geschichten der von der Kongregation von Saint-Maur reformierten Benediktinerklöster an, mit topographischen Tafeln von hundertachtzig von ihnen — etwa der Zahl der Häuser, die die Kongregation damals zählte. Er begann um 1670 und ließ Haus für Haus eine Notiz abfassen. Er war am 28. August 1645 zu Péronne geboren und hatte 1663 in Saint-Remi zu Reims Profess abgelegt; um 1675 war er nach Saint-Germain-des-Prés gekommen, wo er an der Seite Jean Mabillons arbeitete. Mit ihm brach er 1685 nach Italien auf und kehrte im folgenden Jahr zurück.
Germain starb am 23. Januar 1694, achtundvierzigjährig. Die meisten Notizen waren bis dahin geschrieben; der Stich ging ohne ihn weiter und kam um 1710 endgültig zum Stillstand, wobei das letzte geschnittene Blatt eine Karte der Häuser der Kongregation war, gezeichnet von Frère François Le Chevallier und gestochen von H. van Loon. Die Notizen wanderten danach als lose Lagen umher, im 18. Jahrhundert an Benediktiner verliehen, die sie nicht immer in die richtige Mappe zurückgaben. Was übrig blieb, gelangte als Latin 11818 bis 11821 an die Bibliothèque nationale, in vier Bänden, zwei mit Text und zwei mit Tafeln, 1865 von Léopold Delisle beschrieben. Die Kupferplatten sind nie wieder aufgefunden worden.

Am Fuß des Blattes signiert
Die Tafeln sind nicht anonym. Viele tragen am Fuß den Namen des Bruders, der sie gezeichnet, und des Stechers, der das Kupfer geschnitten hat. Die Hand, die immer wiederkehrt, ist die des Mauriners Frère Guillaume de la Tremblaye, den die Bibliothèque nationale als dessinateur der Sammlung führt, tätig von 1677 bis 1710; unter den auf den Blättern genannten Stechern finden sich Toustain, Levesque, H. van Loon, Dassonneville und J. C. David. Auch die Jahre sind dort eingestochen: Saint-Faron de Meaux 1676, Jumièges 1678, La Daurade 1680, Vendôme und Préaux 1683, Saint-Maurin 1688.
Als Druckgraphik sind sie nicht bedeutend — die Notiz der Bibliothèque nationale selbst nennt sie mit mehr Eifer als Können gezeichnet und mittelmäßig gestochen. Ihr Wert liegt anderswo. Pierre-Marie Sallé sagt es genau: sie sind weder erdachte Ansichten noch archäologische Aufnahmen, sondern Zeugen des Reformwerks der Mauriner, jedes Haus so, wie die Kongregation es gesehen wissen wollte, ein neuer Konventsflügel neben einer noch weitgehend mittelalterlichen Kirche.

Ein Dutzend Alben und eine Ausgabe
Es wurden nur wenige Abzüge gezogen, und keine zwei Alben gleichen einander. Louis Courajod ging etwa ein Dutzend von ihnen durch, für eine Studie von achtundzwanzig Folioseiten, die im Mai 1869 erschien. Er fand 138 Tafeln in einem Album mit dem Wappen von Saint-Victor in Paris; 175 im Exemplar der Mazarine aus den Blancs-Manteaux, von denen viele, wie ihr Beschreiber anmerkt, mit dem Monasticon nichts zu tun haben; 183 unnummerierte in einem Band, der damals beim Buchhändler Charles Porquet lag, von denen nur 146 wirklich dazugehören, der Rest meist den Annales Mabillons entnommen; und eines an der Kathedrale von York. Die echten Blätter von den Eindringlingen zu scheiden, war die erste Aufgabe des Herausgebers.
Diese Sichtung fiel Achille Peigné-Delacourt (1797-1881) zu, der bereits, ohne Jahresangabe, die Folge der Tafeln für die Abteien der Kirchenprovinz Reims herausgegeben hatte. Victor Palmé druckte darauf das Ganze zu Paris in zwei Foliobänden, 1870 und 1871 — die Bibliothèque nationale katalogisiert den Satz unter 1871 —, mit einem Vorwort von Delisle: 168 Tafeln in halber Größe der Originale, 147 Klöster, die beiden Karten gesondert gezählt. Wie viele Tafeln überhaupt gestochen wurden, ist nicht entschieden: die Ausgabe kündigt 168 an, während Sallé 153 zählt, die geschnitten wurden, ehe die Arbeit abbrach.
Warum es hier steht
Diese Abtei hat ihre Tafel. Celebris abbatia S. Petri de Curte seu de Manso Garnerio, datiert 1686, zeigt das Haus von oben unter der PAX der Kongregation, mit einer Buchstabenlegende, die unter anderem die Kirche, den Kreuzgang und die Bibliothek benennt. Sie ist ebenso Anspruch wie Aufzeichnung, und so lesen wir sie auch: den noch stehenden Mauern gegenübergestellt, ist sie das erste Dokument, das jedem vorgelegt wird, der im Archiv arbeitet, und der Ausgangspunkt der Bauaufnahme, die das Forschungsprogramm und die Bauwerkstätten miteinander teilen.
QuellenDie eingangs wiedergegebene Tafel dieser Abtei ist ein Abzug des 17. Jahrhunderts mit dem Stempel der Bibliothèque impériale; die Tafeln von Jumièges und La Daurade sind Blätter der Bibliothèque nationale de France, veröffentlicht auf Wikimedia Commons; alle sind gemeinfrei. Das Material des 17. Jahrhunderts ist BnF, Latin 11818 und 11819 für den Text, 11820 und 11821 für die Tafeln, beschrieben von Léopold Delisle, „Inventaire des manuscrits latins de Saint-Germain des Prés“, Bibliothèque de l’École des chartes, Bd. 26, 1865, S. 185-214, die Monasticon-Bände S. 205-207. Die Zählungen der Alben stammen von Louis Courajod, Études iconographiques sur la topographie ecclésiastique de la France aux XVIIe et XVIIIe siècles, Paris, Liepmannssohn et Dufour, 1869; die moderne Einschätzung ist die von Pierre-Marie Sallé im Bulletin monumental, Bd. 180-4, 2022. Die gedruckte Ausgabe ist im Internet Archive und auf Gallica zu lesen.
