
Saint-Maur · 1766-1778
L’Art du facteur d’orgues
dom François Bédos de Celles · Paris, gedruckt bei L. F. Delatour · vier Teile, 137 gestochene Tafeln
Ein Benediktiner, der zwanzig Jahre lang Orgeln gebaut hatte, wurde von der Académie royale des sciences aufgefordert niederzuschreiben, wie es gemacht wird. Er antwortete mit vier Teilen und 137 gestochenen Tafeln, beginnend bei den drei Arten des Hebels und endend bei der Drehleier. Orgelbauer arbeiten noch immer danach.
Ein Orgelbauer, der es aufschreiben soll
François Lamathe Bédos de Celles wurde am 24. Januar 1709 zu Caux in der Diözese Béziers geboren und legte 1726 bei den Benediktinern von La Daurade in Toulouse Profess ab. Zwischen 1744 und 1748 baute er die Orgel von Sainte-Croix in Bordeaux, danach arbeitete er in Saint-Allyre zu Clermont-Ferrand, in Saint-Thibéry, in Aire-sur-l’Adour und in Saint-Sever-de-Rustan. Die Académie royale des sciences machte ihn 1758 zu ihrem Korrespondenten; 1763 zog er sich zum Schreiben in die Abtei Saint-Denis zurück.
Das Buch gehört zu den Descriptions des arts et métiers, der Reihe der Akademie über die Gewerbe, die von 1761 bis 1788 erschien. Duhamel du Monceau und Grandjean de Fouchy unterzeichneten das Vorwort als Kommissare: die Akademie hatte die Beschreibung verlangt, weil, wie sie schreiben, kein vorhandenes Werk den Bau der Orgel behandelt hatte. Delatour druckte den ersten Teil 1766, den zweiten und dritten 1770, den vierten 1778. Das Haupttitelblatt ist in dem aus Google Books digitalisierten Exemplar leer, und die Buchhändler werden anderswo als Saillant & Nyon und Desaint genannt. Antiquariatskataloge schreiben 125 der 137 Blätter dem Kupferstecher Pierre-Claude Delagardette aus der Rue Saint-Jacques zu — eine Zahl, die kein Bibliothekskatalog bestätigt.

Der Anfang beim Hebel
Der Traktat beginnt nicht mit einer Pfeife, sondern mit einem Hebel. Sein erstes Kapitel legt die Begriffe der Mechanik und der Statik dar — die drei Arten des Hebels in den ersten drei Abschnitten, die Rolle im sechsten, alle auf Tafel I —, denn ohne sie, sagt Bédos, werden ungeheure Fehler gemacht. Es folgen die Werkbank und das Werkzeug, dann die Register und ihre Mensur, die Windladen, die Klaviaturen, die Bälge, der Zuschnitt und die Intonation der Pfeifen. Der Text läuft in nummerierten Artikeln, jeder an eine Tafel gebunden: Artikel 125 auf Seite 34 beschreibt einen Windmesser zur Messung der Windstärke.

Bédos schrieb auf seiner ersten Seite, er teile den Traktat in drei Teile. Der vierte, von 1778, verlässt die Kirche für die Kammer: Tischorgeln, die Serinette, auf der man Kanarienvögeln ihre Weisen beibrachte, und Orgeln, die von einer gestifteten Walze gespielt werden. Sein viertes Kapitel erklärt, wie die Stifte zu setzen sind, damit die Maschine spielt wie ein Musiker — wie lange ein Ton gehalten wird, wo er abgesetzt wird, wie viel Stille für das Atemholen zu lassen ist —, bis hin zum Stiften einer Romanze von Balbastre. Die Methode hatte der Augustiner Marie-Dominique-Joseph Engramelle 1775 unter dem Titel La Tonotechnie veröffentlicht; Engramelle wird eine Mitarbeit an dem Traktat zugeschrieben, doch sagt Bédos nirgends, wie viel des Kapitels von ihm stammt. Artikel 1482 auf Seite 644 eröffnet das allerletzte Kapitel, über die organisierte Drehleier.

Was aus ihm wurde
Das Buch überlebte die meisten der Instrumente, die es beschreibt. Marie-Pierre Hamel druckte es vollständig in seinem Nouveau manuel complet du facteur d’orgues nach (Paris, Roret, 1849); Bärenreiter begann 1963 ein von Christhard Mahrenholz besorgtes Faksimile, Léonce Laget gab in den 1970er Jahren ein weiteres in Originalgröße heraus, Slatkine druckte das Ganze 1984 in Genf nach, und Charles Ferguson übersetzte es 1977 ins Englische. Bédos’ eigener Orgel in Sainte-Croix erging es schlechter: sie wurde 1817 abgebrochen und in die Kathedrale Saint-André geschafft, nur Gehäuse und Prospektpfeifen blieben zurück, und die Quellen sind sich nicht einmal über ihre Disposition einig — fünfundvierzig Register auf fünf Manualen oder vierundvierzig auf vieren. Was heute auf der Empore steht, ist eine Rekonstruktion der Werkstatt von Pascal Quoirin, 1984 begonnen und im Mai 1997 eingeweiht; 1647 alte Pfeifen aus siebenunddreißig Registern und neun Windladen kamen wieder hinein, und die Erbauer arbeiteten nach zwei Inventaren von 1756 und 1795, nach wiedergefundenen Registerschildern und nach dem Traktat.
Seine Autorität hat Grenzen. Bédos beschreibt die französische Orgel seiner eigenen Generation und keiner anderen, und die Reihe, für die er schrieb, erreichte nie das Publikum der Encyclopédie. Orgelbauer benutzen es dennoch: in San Domenico zu Rieti baute Bartolomeo Formentelli zwischen 2004 und 2009 eine dem Buch nachgebildete Orgel mit fünf Manualen, siebenundfünfzig Registern und 4054 Pfeifen. Dom Bédos starb am 25. November 1779 in Saint-Denis, ein Jahr nach dem Erscheinen des vierten Teils.
Warum es hier steht
Das Conservatoire hält dieses Buch weniger seines Gegenstandes als seiner Methode wegen in Sicht. Bédos misst, was vorhanden ist, beschreibt jede Verrichtung in der Reihenfolge, in der sie ausgeführt wird, beziffert den Artikel und verweist auf die Tafel, so dass ihm auch folgen kann, wer nie in seiner Werkstatt gestanden hat. Ebendies versuchen die ateliers in Mas-Grenier mit den Gewerken, die an diesem Gebäude noch ausgeübt werden, und ebendies versucht das Forschungsprogramm mit dem, was von der Abtei selbst übrig ist: eine Aufnahme, die schlicht genug ist, um überprüft zu werden, und eine Angabe darüber, wo die Aufnahme aufhört.
QuellenDie vier hier wiedergegebenen Aufnahmen wurden von dem Mitarbeiter SVpellicom unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) auf Wikimedia Commons veröffentlicht; die Druckseite und die Stiche, die sie zeigen, sind gemeinfrei. Auf den Dateiseiten wird keine besitzende Bibliothek genannt. Tafel- und Artikelnummern sind so angegeben, wie sie auf den Blättern gedruckt stehen. Der vollständige Text der vier Teile, digitalisiert nach einem Exemplar aus Google Books, ist bei Wikimedia Commons zu lesen, Hamels Nachdruck von 1849 im Internet Archive. Die Bibliothèque nationale besitzt eigene Digitalisate unter ark:/12148/bpt6k1067216j und bpt6k1067218c, die hier nicht herangezogen wurden.
